Ich rühme mich gerne damit, dass ich nicht alles glaube, was ich lese, höre oder sehe. Dass ich Informationen hinterfrage.

Ich kaufe keine von den angeblich so sparsamen Waschmittelkonzentraten, sondern Grosspackungen konventionellen Waschpulvers zum mindestens selben, wenn nicht niedrigeren Preis. So als Beispiel. Obwohl: Ich habe kürzlich gelesen, diese Grosspackungen enthalten so viel Füllstoffe, dass man dreimal so viel Waschpulver braucht, um seine Wäsche sauber zu bekommen – das hätte ich doch glatt fast geglaubt. Vielleicht stimmt das mit den Füllstoffen, aber sauber wird die Wäsche auch ohne dass ich das Waschmittelfach bis zum Rand fülle.

In diesem Sinne, nieder mit den Mega Perls.

Ich glaube auch nicht, dass ich auf der Stelle Salmonellen bekomme, wenn ich den Pudding noch esse, dessen Haltbarkeitsdatum schon drei Tage überschritten ist. Oder dass das T-Shirt von Esprit länger hält als das von C&A.

Ihr versteht, worauf ich hinaus will.

Vor diesem Hintergrund ist es vollkommen unverständlich, dass ich – total unreflektiert – Wettervorhersagen glaube.

Allerdings war das nicht immer so, sondern erst seitdem ich Jo kenne. Er ist schuld an meiner Wetter-App-Abhängigkeit. Er hat mich quasi angefixt.

Nun muss man dazu wissen, dass wir unsere Aktivitäten mehr als die meisten Menschen nach dem Wetter planen müssen, denn wir haben kein Auto. Jo ist oft mit dem Scooter unterwegs und konsultiert daher regelmässig seine Regen-App. Diese ist auch tatsächlich sehr zuverlässig. Die Wetter-App desselben Anbieters ist es hingegen nicht.

Besonders unzuverlässig sind Langfristwettervorhersagen (ein schönes Wort, aber zu lang für Scrabble). Egal ob von Wetteronline, Wetter.com oder Wetter.de (oder was es da sonst noch so gibt).

Trotzdem schauen wir uns die jedes Mal an, wenn wir in den Urlaub fahren wollen. Obwohl wir ganz genau wissen, dass es keinen Sinn macht, zu schauen, wie in zwei Wochen das Wetter wird.

Denn so wird es nie, das Wetter. Und wenn doch, ist das reiner Zufall.

Wenn wetter.com, wetteronline etc in der 14Tage Vorhersage schönes Wetter ankündigen, glauben wir das.  Im Ernst. Es ist einfach lächerlich, aber wir freuen uns dann total auf schönes Wetter, obwohl wir mal so überhaupt gar nicht wissen (können), wie es wird, das Wetter.

Die Wetterseiten im Netz wissen es natürlich auch nicht. Das geben namhafte Fernsehmeteorologen (ebenfalls ein tolles Wort) auch gerne zu. Dass man das Wetter zuverlässig höchstens 48 Stunden vorhersagen könne. Warum um alles in der Welt gibt es dann auf den Internetseiten diese 14 Tage Vorherschau? Abgesehen davon, dass mich natürlich keiner zwingt, die zu glauben, habe ich dazu folgende Theorie, sie stützt sich auf die Tatsache, dass die Langfristprognose grundsätzlich gut bis toll ist.

Ich als wetterseitensüchtige Userin soll einfach nur dazu gebracht werden, immer wieder drauf zu gehen auf die Seiten, mich an den Schönwettergrafiken ergötzen, mir die Massen an Werbung nebenbei reinziehen und die Klickrate erhöhen.

Immerhin habe ich es geschafft, die App von meinem Handy zu schmeissen – da war ich ganz stolz. Aber ich gehe dann eben auf die mobile Website. Ich muss einfach gucken, wie das Wetter (wahrscheinlich nicht) wird.

Nächste Woche ist es wieder soweit, wir fahren in den Urlaub. Vor zwei Wochen sagten die virtuellen Wettergötter Sonne pur und bis zu 28 Grad voraus. Vor einer Woche hiess es dann: viel Regen, kalt und kaum Sonne. Inzwischen eine Mischung aus beidem mit Tendenz zu letzterer Prognose.

Im Klartext: Wie das Wetter nächste Woche wird, wissen wir erst, wenn es soweit ist….. oh, Moment, soeben gab es eine Aktualisierung auf wetteronline, ich bin soooo gespannt……..

P.S. schon länger nehme ich mir vor, das Wetter – das tatsächliche – mal eine Weile zu dokumentieren und mit dem, was mir diese Wettervorhersagen weismachen wollten, zu vergleichen. Vielleicht kann ich mir dann endlich dieses sinnlose Aufrufen von Wetterseiten abgewöhnen….. obwohl….. ich glaube es nicht……

🙂