Hier kommt er, der Beitrag Nummer 17 der 30-Days Bookchallenge.  

Ich soll ein Buch meines/meiner Lieblingsschriftstellers/in vorstellen.

Die Aufgabe ist ähnlich schwer wie die mit dem Lieblingsgenre, denn natürlich habe ich mehrere „Lieblingsautor*innen“.

Hans Fallada steht in der Hierarchie weit oben, und fast hätte ich auch eins seiner Bücher genommen. Dann aber fiel mir ein, dass ich in meiner Jugend die Bücher von Barbara Noack entdeckte, und sie seitdem bis heute fast sämtlich zu meinen Lieblingsbüchern gehören, auch wenn Frau Noack schon ziemlich lange nichts mehr veröffentlicht hat. Das neueste Werk von ihr, das ich gelesen habe (nein, gehört, ich hatte mir das Hörbuch besorgt), war „Jennys Geschichte“ von 1999.

Barbara Noack dürfte einigen Leser*innen durch die Verfilmungen ihrer Romane „Die Zürcher Verlobung“ (1957) und der Fernsehserie „Der Bastian“ ein Begriff sein.

Ihr Werk besteht in der Hauptsache aus heiteren Romanen und Geschichtensammlungen, die sich für mich in erster Linie durch einen sehr feinen Wortwitz auszeichnen, aber auch durch eine gewisse Melancholie, die sehr oft mitschwingt.

Sie ist aber nicht nur deshalb eine Lieblingsschriftstellerin von mir. Vielmehr ist es so, dass ich ihren Stil liebe und mich in meinem eigenen Schreiben von jeher gern daran orientiere, manchmal bewusst, oft unwillkürlich. Barbara Noack ist also, das kann man wohl so sagen, ein Vorbild für mich.

In diesem Beitrag soll es um ihre autobiografischen Romane „Eine Handvoll Glück“ (von 1982)und die Fortsetzung „Ein Stück vom Leben“ (von 1984) gehen.

Barbara Noack, Jahrgang 1924, beschreibt darin die Freundschaft zweier Mädchen  im Berlin zur Zeit des Nationalsozialismus, bzw in der Nachkriegszeit.

Luise und Jolande stammen aus gutbürgerlichen Verhältnissen, auch wenn beide Familien bei genauerem Hinsehen irgendwie aus der Art schlagen. Jolandes Eltern lassen sich scheiden, als sie acht Jahre alt ist, sie wächst zunächst bei ihrer Mutter und ihrem Stiefvater, einem Kunstmaler auf, der sich nicht an die geltenden Regeln hält. Jolande leidet darunter, anders zu sein, und erbittet sich schliesslich – sehr schweren Herzens, diese Szene im Buch ist soooo traurig – die Erlaubnis, zu ihrem Vater bzw ihren Grosseltern ziehen zu dürfen. Jolande liebt ihre Mutter, aber sie glaubt, in deren neuem Leben keinen Platz zu haben. Für den Rest ihrer beider Leben wird das die Mutter-Tochter-Beziehung belasten.

Ihre Klassenkameradin Luise (Frau Noacks Alter Ego, die Geschichten werden aus Luises Sicht in der Ich-Form erzählt) hat zwar keine geschiedenen Eltern, so ganz wie die anderen ist aber auch sie nicht. Sie hat etwas zu viel Fantasie, wird ihr nachgesagt, und auch ihre Eltern haben es nicht so mit Hitler und Co, auch wenn sie sich nicht, wie Jolandes Mutter und Stiefvater, offen auflehnen.

Beide Mädchen sind Einzelkinder und so kommt es, dass sie sich anfreunden und miteinander aufwachsen. Die Freundschaft wird mehrmals auf harte Proben gestellt, im Grunde sind sie viel zu unterschiedlich, um befreundet zu sein. Als Jolande nach dem Krieg nach USA auswandert, verlieren sie sich endgültig aus den Augen.

Im zweiten Band wird Luise, inzwischen eine erwachsene Frau um die 60, von Hannah, Jolandes Mutter, zu deren 80. Geburtstag eingeladen. Luise soll sich mit Hilfe alter Tagebücher, die Hannah aufbewahrt hat, an die Freundschaft zu Jolande erinnern, und, wenn es nach Hannah ginge, die am nächsten Tag ankommende Jolande gleich mit. Der Plan funktioniert aber nur zum Teil, es ist zu viel passiert und zu viel Zeit vergangen.

Die beiden Romane sind wunderschön, mit ihrem schon beschriebenen feinen, intellligenten Witz und der Situationskomik, aber eben auch mit viel Ernsthaftigkeit, sehr oft beides zur gleichen Zeit.

Danke, Barbara Noack, für Ihre Bücher und die Inspiration 🙂