So, jetzt bin ich an dem Punkt. Ich hoffte, es würde nicht dazu kommen, denn es wirft auf mich kein gutes Licht.

Aber so kann es nicht mehr weiter gehen. AAARRGGGHHHH – oh je, Hysterie macht sich breit, hätte ich Flügel, sie würden wild flattern, seien Sie sich sicher.

Natürlich könnte ich das Problem auf Corona schieben. Corona kann man ja derzeit einfach alles in die Schuhe schieben.

Dass jeder Tag Bad Hair Day ist.

Dass man neuerdings weniger auf die Politiker in diesem Lande schimpft.

Dass die Luft besser und die Strassen leerer sind.

Dass man plötzlich täglich Podcasts hört, deren Inhalt man allenfalls zur Hälfte versteht, aber man fühlt sich irgendwie besser, wenn man sie sich anhört. Übrigens: Eine Bekannte erzählte gestern, das häufigste Symptom bei Corona sei Bindehautentzündung – ich muss nochmal bei Professor Drosten, dem Virologen unseres Vertrauens, nachhören, mir war das bisher unbekannt.

Alles das und noch mehr kann man Corona vorwerfen.

Aber den drohenden Etüdentod auf diesem Blog kann man Corona nicht zum Vorwurf machen.

Also bitte! Hat sie nicht mehr als genug Zeit? Chorproben, Tanztraining, alles fällt aus. Warum schreibt sie nicht?

Es liegt an mir. Es muss an mir liegen. Zugegeben, ich habe mich nicht genug gekümmert, aber wissen Sie, wir wollen doch auf dem Teppich bleiben. Ich bin Muse, kein Kindermädchen.

Dabei ist es nicht so, als wäre in ihr Leben gläserne Leere eingezogen. Sie macht ihr Tanztraining und ihre Gesangssübungen. Das müssten Sie mal sehen, im Wohnzimmer tanzt sie und im Schlafzimmer ist sie am Singen. Ich finde das durchaus lobenswert.

Noch lobenswerter finde ich, dass ihr Mann das Woche für Woche geduldig mitmacht.

Aber ist das etwa kreativ? Sie denkt sich die Lieder und die Choreografien ja nicht selbst aus.

Glauben Sie, es besteht noch Hoffnung?

Ich bin verzweifelt.


Dies ist ein Text für das Projekt abc Etüden. Das Original, erfunden von Ludwig Zeidler, sah vor, eine shortest short story, bestehend aus höchstens zehn Sätzen zu basteln, in denen drei vorgegebene Wörter vorkommen müssen. Letztere Regel besteht nach wie vor, allerdings gilt  nicht mehr die Zehn-Sätze Regel. Vielmehr gibt es nun eine 300 Wörter-Grenze.

Aber lest besser selbst bei Christiane nach, sie kümmert sich um alles Organisatorische und gestaltet zudem die Beitragsbilder, die wir verwenden dürfen, aber nicht müssen, vielen lieben Dank 🙂 Wir anderen müssen nur noch schreiben, und zwar alle zwei Wochen mit neuen Wörtern, die aktuelle Wortspende kommt von Myriade


Ich höre Professor Drostens Podcast tatsächlich regelmässig, wenn auch nicht mehr unbedingt täglich. Und ich habe ihn wirklich zum Virologen meines Vertrauens erkoren, womit ich die Leistung all der anderen Experten keinesfalls schmälern möchte. Aber man kann einfach nicht immer alle Informtionsquellen verfolgen, dann kommt man ja zu nichts anderem mehr. Zum Beispiel nicht mehr zum Schreiben von Etüden 😉
Diese hier ist eine Art Not-Etüde – damit es endlich mal wieder los geht hier. Denn das Etüden-Projekt liegt mir wirklich sehr, sehr am Herzen.