Christiane, die Etüden-Wächterin, hat sich wieder etwas ausgedacht:

Zwei Wochen lang, bis zum 3.8., sind wir Etüden-Schreiberlinge aufgerufen, in unser persönliches Etüden-Archiv einzutauchen und jene der Welt erneut zu präsentieren, an denen uns besonders gelegen ist. Welche wir mögen und so viele wir wollen. Sei es, weil uns das Thema selbst besonders am Herzen liegt, sei es, dass wir finden, sie ist ganz besonders schön, lustig, gut geschrieben, spannend, überraschend, was auch immer.

Ich fand das spontan eine ganz entzückende Idee, nicht zuletzt, weil es *räusper* mit keinerlei kreativem Aufwand verbunden ist. Meine Muse hat nämlich Sommerurlaub genommen, was ihr natürlich gegönnt sei, allerdings könnte sie dann ihre regelmässigen Kurz- und Zwischendurch-Urlaube im Gegenzug mal etwas einschränken.

Ich hatte dieser meiner Muse sogar schon einmal eine eigene Etüde gewidmet. Sie handelt von der Schwierigkeit, die manche Wortspenden einem gelegentlich bereiten können.

Wortspenden? Was ist das? Hier finden Etüden-Neulinge und -interessierte alle nötigen Infos. Ich kann nur ausdrücklich dazu raten, bei Gelegenheit einmal mitzumachen

Ich beschloss also, mit meiner faulen Muse – die zu jener Zeit gar nicht soooo faul gewesen war, muss ich zugeben – ein ernstes Wörtchen zu reden:

 

Liebe Frau Muse, was sagen Sie hierzu: Erst skrupulös und jetzt Pfründe. Das erste Wort hielt ich für ein erfundenes, das andere musste ich nachschlagen. Das ist doch hanebüchen. Kennen Sie hanebüchen? Eins meiner Lieblingswörter. Ich habe ja schon zweimal Etüdenwörter gespendet, aber hanebüchen war komischerweise keines dieser.

Sie lehnen sich vermutlich gemütlich zurück und sagen sich, schliesslich haben Sie mich in der letzten Etüdenrunde gleich zweimal inspiriert – zum allerersten Mal übrigens, mir sind noch nie zu denselben Wörtern zwei Etüden eingefallen, natürlich bin ich hierfür ausserordentlich dankbar, nicht, dass Sie mich falsch verstehen – und haben sich nun eine Pause verdient. So würde ich zumindest denken, wenn ich Sie wäre.

Wie die anderen Wörter lauten, fragen Sie? Moment, ich muss nachsehen. Ist es nicht komisch, dass ich mir ums Verrecken nicht alle drei jeweils aktuellen Wörter auf einmal merken kann? So, da bin ich wieder, Frau Muse. „Mondän“ wäre das zweite Wort. Ehrlich gesagt, wenn Sie mich jetzt bitten würden, Ihnen zu erklären, was mondän bedeutet, würden Sie mich kalt erwischen. Vielleicht nicht eiskalt, man meint ja schon zu wissen, was mondän bedeutet. Ich würde spontan sagen, überlegen, arrgant, so die Richtung, denken Sie, da liege ich ungefähr richtig? Was sagen Sie? exklusiv, extravagant, fein, weltmännisch sind also Synomyme für mondän? Nun gut, ganz daneben lag ich nicht, aber glauben Sie mir, vor dem Erfinden einer mondänen Etüde hätte ich schon noch genau nachgesehen, was das Wort bedeutet. Nicht dass mir dasselbe passiert wie bei der skrupulösen Etüdenrunde. Aber vorher erhoffe ich mir natürlich etwas Unterstützung von Ihrer Seite.

Sie sagen ja gar nichts mehr. Wollen Sie gar nicht wissen, wie das dritte Wort lautet? Oder haben Sie etwa vor, mich wieder hängen zu lassen?

Wir könnten eigentlich auch mal langsam du sagen, finden Sie nicht?

Hallo? Sind Sie eingeschlafen?