Liebe Frau Muse, was sagen Sie hierzu: Erst skrupulös und jetzt Pfründe. Das erste Wort hielt ich für ein erfundenes, das andere musste ich nachschlagen. Das ist doch hanebüchen. Kennen Sie hanebüchen? Eins meiner Lieblingswörter. Ich habe ja schon zweimal Etüdenwörter gespendet, aber hanebüchen war komischerweise keines dieser.

Sie lehnen sich vermutlich gemütlich zurück und sagen sich, schliesslich haben Sie mich in der letzten Etüdenrunde gleich zweimal inspiriert – zum allerersten Mal übrigens, mir sind noch nie zu denselben Wörtern zwei Etüden eingefallen, natürlich bin ich hierfür ausserordentlich dankbar, nicht, dass Sie mich falsch verstehen – und haben sich nun eine Pause verdient. So würde ich zumindest denken, wenn ich Sie wäre.

Wie die anderen Wörter lauten, fragen Sie? Moment, ich muss nachsehen. Ist es nicht komisch, dass ich mir ums Verrecken nicht alle drei jeweils aktuellen Wörter auf einmal merken kann? So, da bin ich wieder, Frau Muse. „Mondän“ wäre das zweite Wort. Ehrlich gesagt, wenn Sie mich jetzt bitten würden, Ihnen zu erklären, was mondän bedeutet, würden Sie mich kalt erwischen. Vielleicht nicht eiskalt, man meint ja schon zu wissen, was mondän bedeutet. Ich würde spontan sagen, überlegen, arrgant, so die Richtung, denken Sie, da liege ich ungefähr richtig? Was sagen Sie? exklusiv, extravagant, fein, weltmännisch sind also Synomyme für mondän? Nun gut, ganz daneben lag ich nicht, aber glauben Sie mir, vor dem Erfinden einer mondänen Etüde hätte ich schon noch genau nachgesehen, was das Wort bedeutet. Nicht dass mir dasselbe passiert wie bei der skrupulösen Etüdenrunde. Aber vorher erhoffe ich mir natürlich etwas Unterstützung von Ihrer Seite.

Sie sagen ja gar nichts mehr. Wollen Sie gar nicht wissen, wie das dritte Wort lautet? Oder haben Sie etwa vor, mich wieder hängen zu lassen?

Wir könnten eigentlich auch mal langsam du sagen, finden Sie nicht?

Hallo? Sind Sie eingeschlafen?

 


Dies ist ein Text für das Projekt abc Etüden. Das Original, erfunden von Ludwig Zeidler, sah vor, eine shortest short story, bestehend aus höchstens zehn Sätzen zu basteln, in denen drei vorgegebene Wörter vorkommen müssen. Letztere Regel besteht nach wie vor, allerdings gilt seit kurzem nicht mehr die Zehn-Sätze Regel. Vielmehr gibt es nun eine 300 Wörter-Grenze.

Aber lest besser selbst bei Christiane nach, sie kümmert sich um alles Organisatorische, vielen lieben Dank 🙂 Wir anderen müssen nur noch schreiben, und zwar alle zwei Wochen mit neuen Wörtern, die aktuelle Wortspende kommt von Bernd

Die Inspiration zu diesem kleinen Text kam übrigens tatsächlich von einer Muse, aber nicht von meiner, sondern der von Veronika, die auf ihrem Blog immer wieder ganz entzückende Musengeschichten erzählt Schaut mal bei ihr vorbei
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