Ich gehör ja nicht zu denen, die nie was gewinnen. Ihr kennt das: Frau G. aus K. wird mitgeteilt, sie hätte einen Rasenmäher gewonnen, woraufhin sie jubelnd in die Hände klatscht und ruft „Juhu, ich hab noch nie was gewonnen“. Erst danach fällt ihr auf, dass sie gar keinen Garten hat.

Sehr schön auch in diesem Zusammenhang der jüdische Witz, in dem jemand regelmässig betet: „Lieber Gott, lass mich in der Lotterie gewinnen“. Er gewinnt natürlich nie, betet aber geduldig weiter. Bis es eines Tages mitten im Gebet einen Schlag tut und Gott mit seiner bekannten tief dröhnenden Gott-Stimme donnert: „Gib mir eine Chance, kauf dir ein Los!“

Zu diesen Losern gehöre ich wie gesagt nicht. Ich hab schon öfter mal was gewonnen. Als Kind auf dem Rummel den Hauptgewinn beim Lose ziehen zum Beispiel. Es ist jetzt an der Stelle völlig egal, wieviele Lose meine Mutter mir dafür gekauft hat, ich hab den Hauptgewinn gezogen. Ein riesiger Plüsch-Elefant, der von dem Tag an für sehr lange Zeit am Fussende meines Bettes sass.

Während meiner Zeit als Reisebüro-Tussi hab ich auch öfter was bei Produktvorstellungsveranstaltungen gewonnen. Eine Kiste Wein, einen Rucksack, sogar mal eine Kurzkreuzfahrt ab/bis Barcelona. Diese, also die Kreurzfahrt, bestätigte mich dann in meinem Vorurteil, dass Kreuzfahrten eher nichts für mich sind.

Als Kind gingen meine Eltern und ich regelmässig auf die Trabrennbahn Mariendorf in Berlin. Sonntag und Mittwoch war Renntag, das weiss ich noch. Ich durfte dann auch immer wetten, d.h., ich bekam eine Summe x und durfte damit wetten. Ich setzte natürlich auf die Pferde, die ich am schönsten fand, das waren meistens nicht gerade die Favoriten. Dabei gewann ich tatsächlich eines Tages mit einem Einsatz von 2,50 DM 25 DM! Huckeleberry Finn hiess der Gaul, werd ich nie vergessen. Was ich allerdings nicht mehr weiss, ist, ob ich daraufhin Blut geleckt und mit den 25 Mark weiter gewettet habe.

Man kann also gewinnen, wenn man spielt, aber es ist natürlich doch eher selten. Wenn es aber passiert, und sich dann der Gewinn auch noch tatsächlich als solcher herausstellt, ist die Freude gross!

So trug es sich zu, dass Natalie vom Fundevogelnest ein Exemplar ihres ersten Romans auf ihrem Blog verloste. Ich entschloss mich spontan, mitzumachen und – tadaaaa! – ich war die Gewinnerin und möchte heute ein bisschen über diesen Preis erzählen.

„Zwischenzeit“ – von Natalie Berghahn

Aus dem Klappentext:

Mit einer Handvoll überalterter Hennen und einem invaliden Igel lebt Johanne zurückgezogen in einem kleinen, alten Haus am Rande einer großen Stadt. Missgelaunt weist sie jeden menschlichen Kontakt zurück.

In einem ungewöhnlich heißen Mai wartet sie vergebens auf die alljährliche Rückkehr der Mauersegler. Statt der ersehnten Zugvögel landet ein gar nicht zur Landschaft passender Meeresvogel in ihrem Kartoffelbeet. Der Austernfischer ist nur der Erste einer Reihe ungebetener, ungewöhnlicher Gäste, die die Grenzen zu Johannes verwunschenem Reich überwinden.

„Ich mag Hühner, ich mag Igel und ich mag auch Menschen, besonders gern schreibe ich über diejenigen, die ein wenig oder auch wenig mehr abseits des Gängigen leben.

In diesem Buch werden auf nur 224 Seiten die Geschichten einer ganzen Anzahl unterschiedlicher Menschen erählt, ohne dass eine davon oberflächlich abgehandelt wird, und auch ohne dass man als Leser den Überblick verliert. Ich persönlich hasse das. Wenn ich mehr als zweimal zurück blättern muss, um den Faden wieder aufzunehmen, verliere ich schon mal die Lust an einem Buch.

(Obwohl es Beispiele gibt, wo man diese Ungeduld überwinden und doch dabei bleiben sollte, aber das bezieht sich nicht auf dieses Buch hier, sondern auf ein anderes, das ich hier sicher auch noch belobhudeleien werde 😉 )

Wir lernen natürlich Johanne kennen, aber nicht sofort, zunächst begegnen wir Juan, einem illegalen Einwanderer aus Südamerika, der sich vorübergehend, ohne zu fragen, in Johannes Schuppen einquartiert. Allerdings stellt sich heraus, dass hier schon jemand eingezogen ist, nämlich Brinda, ein achtjähriges Mädchen, das ihrer Pflegefamilie ausgerissen ist. Ungefähr gleichzeitig wird uns auch Petra, Brindas Pflegemutter vorgestellt, und wir tauchen direkt ein in deren Nöte und Zwiespälte (Zwiespalten? Ach egal), ihre Eignung als Pflegemutter betreffend. Brinda ist wohl ein sehr schwieriges Kind, mit vielen Verhaltensauffälligkeiten.

Aus der Sicht Brindas erscheinen diese Verhaltensweisen aber gar nicht mehr so auffällig. Vielmehr werden sie nachvollziehbar. Der Leser bekommt ihre Vorgeschichte erzählt, aus ihrer eigenen Sicht, was am Anfang verwirrend ist. Wenn zum Beispiel Brinda ihr Meerschweinchen, das sie bei sich hat, „Jeanetteschatten“ nennt, hat man Fragezeichen im Kopf. Genau so ergeht es Petra, in die man sich, ebenso wie in das Kind, nach und nach hineinversetzen kann.

Ausser dieser (Haupt) Figuren gibt es noch einige andere, z.B. den „Mauersegler“, einen Tierschützer, der Johanne kontaktiert hat, weil er hofft, sie könne eine Anzahl Batteriehühner bei sich aufnehmen. Das tut sie, und ich habe hier sehr interessante Details zum Thema Hühnerhaltung im Allgemeinen und dem Halten von Batteriehühnern in Freiheit im Besonderen gelernt. Auch solche Dinge finden noch problemlos Platz auf diesen vergleichsweise wenigen Seiten.

Sie alle treffen sich im Laufe der Handlung bei Johanne, auch wenn diese, wie es der Klappentext ja schon vorgibt, eigentlich viel lieber für sich bleibt.

Wenn ich hier im Blog Bücher bespreche, lese ich immer gern andere Rezensionen zu den jeweiligen Werken. Im Fall von „Zwischenzeit“ habe ich u.a. die Kritik gelesen, die vielen Handlungsstränge seien zu verwirrend. Ich finde das überhaupt nicht. Im Gegenteil. Die Geschichte ist – wie man so schön sagt – atmosphärisch sehr dicht erzählt. Ich habe zu allen Figuren (und es sind eine ganze Menge!) Zugang gefunden, keine blieb blass oder erschien mir überflüssig. Der Schreibstil ist sehr flüssig, oft poetisch, nie schwülstig.

Liebe Natalie, ich war sehr begeistert von“Zwischenzeit“ – eigentlich würde ich gerne eine Fortsetzung lesen 🙂