Gelegentlich muss man aufräumen. Dinge aussortieren, weg werfen, was man nicht mehr braucht. Ich tue das auch ab und zu. Und wenn ich mal dabei bin, schmeiss ich weg, was das Zeug hält. Dann kann es vorkommen, dass mir das hinterher leid tut.

Vor kurzem stellte ich – nicht zum ersten Mal – fest, wie gern ich mal wieder in meiner Sammlung alter Konzertkarten wühlen würde. So gerne. Aber sie sind nicht mehr da. Ich habe sie vor Jahren alle bei ebay verkauft (warum kauft jemand alte Konzerttickets, habe ich damals schon nicht verstanden).

Diese Konzerttickets sind – bzw waren, also wären – eine richtige nostalgische Reise in die Vergangenheit. Wie ein Tagebuch. Bis zurück zu meinem vierzehnten Lebensjahr, wo ich in der Waldbühne Simon & Garfunkel gesehen habe. Die hatten kurz vorher ein grossartiges Comeback mit dem legendären Konzert im New Yorker Central Park hingelegt und gaben drei Konzerte in Deutschland (oder sogar drei in ganz Europa, das weiss ich nicht mehr), eines in der Berliner Waldbühne. Ich bin mit meinem Vater und meiner besten Freundin hin, und es war ein bis heute unvergessenes grandioses Erlebnis.

Aber meine Konzert(besuch)karriere begann schon viel früher. Ich war sechs oder sieben, und wollte die Les Humphries Singers sehen.    Und meine Mutter ging mit mir hin. Nun könnt ihr einwenden, dass es wohl eher meine Mutter war, die das Konzert sehen wollte, und ich das falsch erinnere. Aber wer meine Mutter kannte, der weiss, dass es so nicht gewesen sein kann.

Sie mochte keine Musik.  Ernsthaft.

Sie hörte nie Musik, und in ein Live Konzert zu gehen, wäre ihr niemals eingefallen. Also muss es mein Wunsch gewesen sein, ich stand als Kind auch tatsächlich total auf diese Gruppe. Ich weiss noch, der Saal war bestuhlt, wir sassen ziemlich weit hinten, und irgendwann nahm mich meine Mutter auf den Arm, wir gingen nach vorn und stellten uns direkt vor die Bühne. Bzw, das fällt mir jetzt, wo ich es schreibe, wieder ein, hat meine Mutter mich doch tatsächlich auf der Bühne abgesetzt – damals ging sowas noch, es gab noch keinen Korridor, bewacht von breitschultrigen Security Mitarbeitern. Hier wurde dann wohl auch der Grundstein gelegt für meine bis heute anhaltende Vorliebe, bei Konzerten in der ersten Reihe zu stehen.

Zuletzt vor etwa einem Jahr, hier kann man mehr darüber erfahren.

An andere Konzerte, die mit den Jahren kamen, erinnere ich mich gar nicht mehr, und genau deswegen ärgert es mich, diese Konzertkarten nicht aufgehoben zu haben. Es wäre so lustig, diese Tickets in die Hand zu nehmen und womöglich erstmal mühsam überlegen zu müssen, wie das damals war auf genau diesem Konzert. Mit wem man damals dort war. Unter Umständen würde man sich auch amüsiert fragen, warum man eigentlich da war 😉

Ich könnte mir vorstellen, die letztere Frage stellt sich so mancher Fan von Take That, den Backstreet Boys oder Tokio Hotel, wenn er (nein, sie, auf jeden Fall sie) alte Konzertkarten anschaut. Was hat uns da nur geritten?

Ich selbst mochte Boygroups nie. Obwohl ich mittlerweile diesen Gary Barlow von Take That als Songwriter und auch als Sänger durchaus zu schätzen weiss. Und Robbie Williams, doch, als der solo unterwegs war, mochte ich den auch. Ich mochte (mag) die Beatles, diverse weitere Sechziger Jahre Gruppen wie die Hollies, die Searchers, die Zombies, die Kinks,  Creedence Clearwater Revival, die Stones.

Letztere habe ich vier mal live gesehen, davon einmal im Circus Krone in München. Man bekam die Tickets nur über den Fan Club, und natürlich waren sie umgehend vergriffen. Mein damaliger Freund, glühender Fan, hat die halbe Nacht vor dem Rechner gesessen und im richtigen Moment aufs richtige Knöpfchen gedrückt, so dass wir dieses wirklich einzigartige Konzert erleben konnten. Auf dem Mitschnitt davon würde man mich in der überschaubaren Zuschauermenge sehen, wenn ich ein wenig grösser wäre ;-).

Vor der Show wurden wir davon in Kenntnis gesetzt, dass Mick Jagger unter Umständen ins Publikum käme, und wenn er das täte, sei es uns streng untersagt, ihn zu berühren. 😉

Aber ein Fan der Rolling Stones war ich nicht, trotz der vier Konzerte. Das ergab sich immer irgendwie, und hat sich auch jedes Mal gelohnt. Live sind die Stones einfach nur gut 🙂

Ich war und bin auf ewig ein Fan der Beatles. Die konnte ich natürlich nie live erleben. Aber eine ehemalige Arbeitskollegin war in einem der vier Deutschland Konzerte, die die Beatles 1966 gegeben haben, das war die sogenannte „BRAVO Beatles Blitz Tournee„. Ich fand das irre, als sie das damals erzählte. Ich kannte jemanden, der ein Beatles Konzert besucht hatte, WAHNSINN!

Ob sie wohl ihre alte Eintrittskarte aufgehoben hat?

An meinem für mein Alter und die damalige Zeit ungewöhnlichen Musikgeschmack ist meine Cousine schuld. Sie ist 4 Jahre älter, und ich wollte ihr als Kind und in unserer Jugend immer nacheifern. Ein bisschen davon ist bis heute so geblieben, zumindest, soweit es Musik betrifft. Sie schenkte mir meine erste Single („Killer Queen“ von Queen), da war ich etwa zehn und meine erste LP (einen Beatles Sampler) mit zwölf. Später brachte sie mir nach und nach Rock in all seinen verschiedenen Facetten nahe. Na gut, nicht in allen Facetten, das musste schon alles eine Melodie, einen Rhythmus, selbst gespielte Instrumente und guten Gesang beinhalten. Kurz, es musste mit Musik zu tun haben. Hart und laut durfte es aber schon sein.

Mit ihr war ich auch auf den allermeisten der Konzerte, zu denen ich heute gern noch die alten Tickets hätte. Dann wüsste ich jetzt, wer eigentlich der Headliner war, als wir mal nur wegen einer Vorgruppe zu einem Konzert gingen. Wir hatten diese Band gerade entdeckt und für gut befunden. Sie spielte in Berlin, allerdings nur als Vorgruppe von…. ja genau. Ich erinnere mich nicht mehr, aber ich weiss, dass wir uns den Haupt Act nicht angetan haben, wir sind nach der Vorgruppe gegangen 😉

Mit einer Freundin bin ich auch schon für ein Konzert von Berlin nach Nürnberg gefahren und noch in der Nacht wieder zurück, mit Sommerreifen in wüstes Schneetreiben geraten (es war Ende März, wer rechnet denn mit sowas) und wie durch ein Wunder ohne Schaden an Leib, Leben und Blech wieder zu Hause angekommen.

Ein anderes Mal hab mir für 150 DM vor der Waldbühne ein Ticket für Bruce Springsteen gekauft. Ja das waren damals die Schwarzmarktpreise, kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen. Mein damaliger Freund wollte mit mir zu Springsteen und hatte Karten gekauft. Das heisst, er hatte eben keine gekauft, er hatte es aber über Wochen behauptet. Wenn ich an diese Episode zurück denke, rege ich mich immer noch auf. Meine beste Freundin, die extra aus Westdeutschland angereist war wegen des Konzerts (mein Freund hatte angeblich auch eine Karte für sie), schaffte es, über ihre Mutter, die damals beim RIAS arbeitete, ein Ticket zu bekommen, leider nur eines. Also beschlossen wir,  eine Karte auf dem Schwarzmarkt zu kaufen. Der „Verkäufer“ liess nicht mit sich handeln, und ich war mein ganzes Geld los. Aber was soll ich sagen: Dieses Springsteen Konzert war schon damals jeden Cent, Verzeihung, Pfennig, wert.

Deswegen habe ich dieses Ticket auch noch. Ich habe es damals gerahmt und in meinem Zimmer aufgehängt.

Was ich am nächsten Tag mit meinem Freund gemacht habe, kann ich öffentlich leider nicht erzählen, nur soviel: Er hat es überlebt. 


Ich bitte, die vielen vielen Links, die ich hier gegen meine Gewohnheit eingefügt habe, zu entschuldigen. Obwohl, nö, warum eigentlich, schaut sie euch am besten alle an, es sind schöne Sachen dabei
🙂 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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