Besuch und Fisch stinkt nach drei Tagen, sagt ein altes Sprichwort. Ich finde das ja ein bisschen hart, vor allem wenn ich mir vorstelle, wonach der Besuch nach drei Tagen wohl riecht. Er (oder sie) wird sich doch wohl waschen, solange er (oder eben sie) bei mir ist.

Jedenfalls gibt es Gäste, die sich selbst einladen und nicht mal ne Flasche Wein mitbringen. Und die man deswegen so schnell wie möglich wieder los werden will.

Kürzlich hatten wir Ameisen in der Wohnung. Zuerst nur einzelne, aber die haben dann ihren Verwandten Bescheid gesagt, dass es bei uns nett ist. Unsere Besucher hielten sich nur auf dem Boden im Wohnzimmer auf, nur gelegentlich krabbelte auch mal eine auf dem Schreibtisch herum. Weder hier noch dort gab es etwas für Ameisen zu holen, was wollten die da? Na gut, ich bin ja keine Ameise, vielleicht schmeckt ihnen Staub.

Wie dem auch sei, es galt, die Krabbeltiere wieder loszuwerden, und zwar, bevor sie den Weg in die Küche fanden. Ich jedenfalls fand zunächst den Weg ins Internet. Hier gibt es eine schier unerschöpfliche Fülle an Ratschlägen, wie man Ameisen wieder los wird. Angeblich mögen sie bestimmte Gerüche nicht, wie z.B. Lavendel, Zitrone, Zimt. Wir versuchten es mit den ersten beiden, weil wir die im Haus hatten, so lange bis ich Kopfschmerzen bekam von dem Lavendelgeruch.

Warum hatten wir Lavendel im Haus, wollt ihr wissen? Weil wir auch mal Motten hatten, und im Internet stand, die mögen den Lavendelgeruch nicht.

Die auch nicht? Ich wette, beim Lavendelanbau kommt man gänzlich ohne Schädlingsbekämpfung aus, da ja scheinbar kein Insekt diesen Geruch leiden kann.

Wir verteilten also Lavendelsäckchen in der ganzen Wohnung, verträufelten Lavendelöl hier und dort (wir wussten ja nicht, woher die Viecher kamen). Eines Tages dann entsorgten wir unseren Wohnzimmerteppich, und da war dann auch die Frage beantwortet, wo die Motten herkamen. Sie hatten, dort, wo die Couch auf dem Teppich gestanden hatte, diesen angefressen. Nur dort, wo man nicht dran kam und nichts sah. Schlaue Tiere, ich habe später gelesen, sie brauchen Ruhe zum Arbeiten. An der Stelle hatten sie die. Ich habe auch gelesen, dass, wenn man die Motten herum fliegen sieht, man davon ausgehen kann, dass sie schon länger da sind, da es wohl eine geraume Weile dauert, bis die Larven sich zu ausgewachsenen Tieren entwickelt haben. Daher auch die nicht unerheblich grosse kahle Stelle im Teppich.

Aufmerksame Hausfrau, die du die hier mitliest, weisst jetzt, dass bei Mrs Postman und Jo ein klassischer Frühjahrsputz mit Möbel verrücken und unter dem Teppich putzen nicht stattfindet – ich stehe dazu, steinige mich ruhig.

Natürlich lagen auch unter der Couch Lavendelsäckchen und hatten wir auch dort Lavendelöl verträufelt. Die Motten fanden den Geruch höchstens inspirierend.

Und auch die Ameisen störten sich nicht im Geringsten an dem Geruch, auch sie zogen nicht aus.

Also weiter recherchieren.

Beliebter Rat auch: Backpulver. Das fressen die angeblich und platzen dann. Weswegen man das aus Tierschutzgründen nicht tun soll, da das eine Quälerei für die Ameisen sei.

Hallo? Es sind Ameisen! Nicht dass die keine Existenzberechtigung hätten, es sind nützliche Tiere. aber ich muss zugeben, mein Mitleid mit ihrem wie auch immer gearteten Leiden hält sich in Grenzen. Wenn’s denn hilft…….

Wir versuchten es also mit Backpulver. Ihr könnt es euch schon denken, oder? Unsere Ameisen liessen das Backpulver links liegen. Was ich verstehen kann, schmeckt doch auch überhaupt nicht. Es sei denn – ein weiterer Tipp aus dem Internet – man mischt Puderzucker darunter. Wirkte insoweit als die Ameisen sich darauf stürzten. Sie starben aber nicht, jedenfalls sah ich in den paar Tagen, in denen wir mit Backpulver arbeiteten, weder tote Ameisen noch wurden die lebenden weniger. Wir vermuteten, dass die Ameisen nur den Puderzucker frassen – mir leuchtete das durchaus ein.

Bei meinen intensiven Recherchen war ich auf ein Ameisenforum gestossen, in dem ich mich spontan anmeldete – um aber dann festzustellen, dass es sich um ein Forum von Ameisenzüchtern handelte. Was es nicht alles gibt. Gut, die hätten vielleicht auch einen Tipp gehabt, wie man ungebetenen Ameisen Hausverbot erteilt, aber ich war inzwischen, ehrlich gesagt, schon weiter…..

Wir besorgten Fressköderfallen. Für 1,79 € die Dose gelang es uns, über Nacht unsere ungebetenen Besucher los zu werden. Ihr wisst, wie diese Fressfallen funktionieren? Nun, sie enthalten etwas Leckeres, das aber giftig ist. Nicht so giftig, dass Ameise sofort davon stirbt. Ameise trägt das Leckere in ihren Bau und füttert Königin und Larven damit.

Nachdem wir die Dosen nahe der Ameisenhauptverkehrsstrasse aufgestellt hatten, begann alsbald ein wuseliges Kommen und ebensolches Gehen. Die Ameisen schienen zunächst immer mehr zu werden, immer zielstrebig in die Köderdose und zurück aus dem Haus Richtung Ameisenbau. Es war faszinierend, das muss ich leider zugeben, denn ich  wusste ja, sie waren alle des Todes.

Ja nun, aber wir hatten es ja im Guten versucht, oder etwa nicht?

In die Hölle werde ich nicht kommen, die ist nur für Katholiken

😉

 

 

 

 

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