Man sagt, rede nicht über Dinge, von denen du keine Ahnung hast. Also sollte ich mich zum neuen „Story Samstag“ eigentlich nicht äussern, denn es geht um das Thema Ehe. Dazu kann ich aus eigener Erfahrung nichts sagen – obwohl, eigentlich doch. Immerhin waren bzw sind nahe Angehörige in der Ehe miteinander verbunden, und das eine oder andere bekommt man da ja mit.

Ich trage – weil auch meine Mutter seinerzeit (oder sagt man ihrerzeit?) meinen Vater ehelichte – den langweiligen Nachnamen Schindler. Hätte sie sich das Heiraten verkniffen, hätte sie uns beiden einen Gefallen getan. Erstens weil mein Vater Alkoholiker war und meine Mutter schlug, wenn besoffen, zweitens weil meine Mutter mir ansonsten ihren wunderbaren italienischen Mädchennamen – Badagliacca – hätte geben können / müssen. Bettina Badagliacca hätte ich dann geheissen. Ihr stimmt mir sicher zu, dass aus Bettina Badagliacca etwas sehr viel Bedeutenderes geworden wäre als aus Bettina Schindler. Ich bin mir dessen jedenfalls sicher. Vor einigen Jahren habe ich sogar mal ernsthaft darüber nachgedacht, meinen Nachnamen ändern zu lassen.

Meine Mutter erzählte gern, sie hätte von Anfang an gewusst, die Ehe mit meinem Vater sei nicht für die Ewigkeit, allerdings wäre damals der gesellschaftliche Status einer geschiedenen Frau mit Kind immer noch besser gewesen als der einer ledigen Mutter. Nun gut, wahrscheinlich hatte sie recht, ich bin 1967 geboren. Interessant ist allerdings, das erfuhr ich erst vor kurzem beim Durchsehen alter Dokumente, dass ich bereits anderthalb Jahre alt war, als meine Eltern heirateten. Hätte meine Mutter sich das da nicht sparen können, weitere achtzehn Monate später nämlich fand die Scheidung statt.

Alles so unnötig.

Wir waren also Frau und Fräulein Schindler, meine Mutter nahm nach der Scheidung ihren schönen Mädchennamen nicht wieder an. Womöglich weil man damals mit einem ausländischen Nachnamen auch nicht gerade…. naja, lassen wir das.

Zwei Jahre später, Frl Schindler war inzwischen fünf, traf meine Mutter ihren „richtigen“ Mann. Also den, mit dem sie 32 Jahre verheiratet war, bis zu ihrem Tod, sie starb leider mit nur 57 Jahren an Krebs. Der neue Nachname war noch langweiliger, er lautete Hoffmann. Herr Hoffmann wollte das kleine Fräulein Schindler eigentlich gern adoptieren, aber der Herr Schindler lehnte dies ab. Ebenso übrigens wie Unterhaltszahlungen für das kleine Fräulein Tochter, aber das nur nebenbei. Also lebte Fräulein Schindler mit Herrn und Frau Hoffmann von da ab im Grossen und Ganzen glücklich und zufrieden zusammen. 

Frau Hoffmanns Schwester, Jahrgang 45, wurde noch früher schwanger als meine Mutter, die damals immerhin 20 war. Meine Tante war 17.

Sehr gerne würde ich mal in die Vergangenheit reisen und hinter einem Vorhang versteckt dem Theater lauschen, das das bei meinen Grosseltern ausgelöst haben muss.

Obwohl…..

Obwohl…..

Ob meine Grosseltern es sich leisten konnten, da so streng zu sein?

Sie sassen im Glashaus, aber sowas von.

Meine Grossmutter war verheiratet, als ihr mein Grossvater begegnete, und es gab schon zwei Töchter mit diesem Ehemann. Hierbei handelte es sich übrigens um einen Herr Müller, also langweiliger geht es ja wohl wirklich nicht mehr. Jener Herr Müller liess sich sofort von meiner Grossmutter scheiden, als sie schwanger war mit meiner Tante, denn er mutmasste, nicht ihr Vater zu sein. Wobei dies übrigens bis zum heutigen Tag nicht so ganz geklärt ist. Oma, Oma, du warst schon ein Früchchen 😉

Jedenfalls war sie jetzt frei, um ihren italienischen Liebsten zu heiraten, was beide sehr gern getan hätten.

Jedoch….

Es ging nicht, denn…..

Meine Mutter trug, wie ihr schon wisst, den Mädchennamen Badagliacca. So hiess sie aber nicht von Geburt an. Erst mit 16 Jahren (!!!) erhielt sie den Namen ihres Vaters. Denn erst da heiratete mein Grossvater, aus Sizilien stammend, meine Grossmutter. Sie lebten bis zu diesem Zeitpunkt in sogenannter „wilder Ehe“, denn: Mein Grossvater, Musiker von Beruf und ein Frauenheld, war damals schon verheiratet, hatte mehrere Kinder mit seiner Ehefrau und – wer weiss das schon – vielleicht auch noch mit anderen Frauen. Meine Grossmutter allerdings muss wirklich seine grosse Liebe gewesen sein, ich habe Briefe, die dies vermuten lassen. Er wollte sich auch scheiden lassen, aber seine Frau wollte nicht. Der Kinder wegen, und weil sie nicht in die Hölle kommen wollte, denn sie war natürlich sehr katholisch.

Meinem Grossvater war die Hölle scheinbar wurscht, er bestand noch nicht einmal darauf, dass seine Töchter in irgendeiner Konfession erzogen wurden. Meine Tante wurde evangelisch getauft, meine Mutter überhaupt nicht.

Also mussten meine Grosseltern mit dem Heiraten warten, und zwar so lange bis die erste Ehefrau gestorben war. Dann aber heirateten sie endlich. Meine Oma und die jüngste Tochter (meine Mutter), erhielten einen neuen Familiennamen. Meine Tante, ihr erinnert euch, betraf das nicht, sie war zu dem Zeitpunkt bereits verheiratet. Meine Grossmutter war nun Signora Badagliacca, bestimmt war sie sehr glücklich darüber. Leider dauerte dieses Glück nur etwa sieben Jahre, dann starb mein Grossvater. Ich habe ihn noch kennengelernt, kann mich allerdings nicht mehr wirklich gut an ihn erinnern.

Wie man sieht, hat das Prinzip Ehe trotz einiger Irrungen und Wirrungen in meiner Familie ganz gut funktioniert. Meine Tante, die mit 17 den damals 20jährigen Vater ihrer Tochter heiratete, blieb bis zu seinem Tod vor etwa vier Wochen mit ihm verheiratet. Ich glaube, es war eine gute Ehe, soweit ich das von aussen beurteilen kann. Ebenso wie die zweite Ehe meiner Mutter. Und die zweite Ehe meiner Grossmutter.

Was das Heiraten angeht, so sagte meine Mutter übrigens immer: „Einmal ins Unreine muss man“ 

🙂


Dies ist mein erster Beitrag zum „Story Samstag“ der Tante Tex. Diese Schreibaktion gibt alle zwei Wochen ein Thema vor, dem man sich dann in jedweder Form widmen kann – Geschichten, Gedichte, Selbstgemaltes, Fotografiertes, was einem eben dazu einfällt. Details findet ihr hier

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