Heute ist es soweit: Wir verraten, welches Buch wir anlässlich des vierten Buchdate, initiiert von zeilenende und wortgeflumselkritzelkram, ausgesucht haben.

Das Buchdate, welches diesmal unter dem Motto „moderne Klassiker“ stand, sieht vor, dass jedem Teilnehmer zwei Buchdate Partner zugelost werden. Vom ersten erhält der Teilnehmer drei Buchempfehlungen, für den zweiten gibt es im Gegenzug drei eigene Empfehlungen. Man sucht sich eines der drei Bücher aus, liest dieses bis zu einem Datum X und schreibt darüber.

Meine Empfehlungsgeberin ist Yvonne von umgeBUCHt. sie schlug folgende Bücher vor:

  • Das Bildnis des Dorian Gray von Oscar Wilde
  • Drachenläufer von Khaled Husseini
  • Die geheime Geschichte von Donna Tartt

Die Wahl war schnell getroffen, denn die ersten beiden Bücher kannte ich schon. Wo wir schon kurz von ihnen reden: Beide ganz grossartig!

Das dritte wurde es also.

„Die geheime Geschichte“ von Donna Tartt

Zuerst veröffentlicht 1992, ist dies das Erstlingswerk von Donna Tartt, angeblich hat sie 7 Jahre daran gearbeitet. Was ich persönlich mir gut vorstellen kann, schon allein, weil es wirklich ein umfangreiches Werk ist, über 500 Taschenbuchseiten lang, kleine Schriftgrösse, kleiner Zeilenabstand. Soviel hierzu.

Worum geht es:

Richard Papen aus Kalifornien möchte weg von zu Hause und bewirbt sich mehr oder weniger zufällig (ihm gefiel der Prospekt) am Hampden College in Vermont. Er erhält ein Stipendium, wohlhabend ist er nicht. Da er früher schon Griechisch studiert hat, möchte er dies in Hampden ebenfalls  belegen und hat das Glück, bei Professor Morrow in dessen exklusiven Kurs aufgenommen zu werden. Die lediglich 5 anderen Teilnehmer findet Richard faszinierend, aber auch befremdlich. Sie begegnen ihm zunächst mit Distanz, aber es dauert nicht allzu lange, bis er mit ihnen auch ausserhalb des Griechisch Kurses seine Zeit verbringt. Je näher er ihnen allerdings zu kommen scheint, desto grösser wird sein Eindruck, mit ihnen stimme irgendetwas nicht.

Dieses etwas ist: Ein Mord. Begangen von Richards neuen Freunden. Ein Mord, den sie alternativlos begehen müssen, sagen sie. Richard erfährt von dem Plan und ist von nun an unmittelbar Teil der Ereignisse. Im Verlauf der Geschichte erfährt der Leser, was die Tat – scheinbar nüchtern, weil unvermeidbar, begangen – mit den einzelnen Tätern, mit ihnen als Gruppe und mit ihren Beziehungen zueinander macht.

Dieser Roman hat überragende Kritiken erhalten. „brilliant erzählt“ „nervenzerreissend spannend“, um nur zwei der Lobesattribute zu erwähnen. Ich gebe zu, ich war daraufhin sehr gespannt und hatte höchste Erwartungen an das Buch.

Sie wurden nur teilweise erfüllt. Die Grundidee fand ich sehr reizvoll, ich mochte auch – anfangs – die schrägen Charaktere und ihre ebenso schrägen Beziehungen zueinander. Genau mein Ding – eigentlich.

Dann aber hatte ich Schwierigkeiten mit der Geschichte, ich fand sie sperrig. Für mich kam die Story nicht richtig in Fahrt. Und wenn sie scheinbar Fahrt aufgenommen hatte, lief der entsprechende Handlungsstrang irgendwie ins Leere, ein neuer wurde aufgenommen. Für mich oft nicht nachvollziehbar und auch später im Buch nicht aufgelöst.

„ach so, deswegen“ – ihr wisst schon. Dieser Effekt fehlte mir meist

Ich dachte zwischenzeitlich, vielleicht bin ich nicht schlau genug. Vielleicht kann ich nicht erkennen, was mir mitgeteilt werden soll  oder die Sprache ist mir womöglich zu hoch. Die Studenten und ihr Professor reden oft griechisch oder auch latein, zitieren die grossen Philosophen bzw beziehen sich auf sie.

„vielleicht hast du in letzter Zeit zuviel Schund gelesen, dass du damit nichts anfangen kannst?“

Das dachte ich wirklich, ich meine, das Buch war doch überall hoch gelobt, es muss an mir liegen, dass ich keinen Zugang dazu finde. So war ich insbesondere  am Anfang froh, wenn sich – immer gerade rechtzeitig – herausstellte, dass man NICHT unbedingt des Altgriechischen mächtig sein und Plato gelesen haben muss, um die Handlung, bzw das Handeln der Protagonisten zu verstehen. Das lag sicher daran, dass der Roman aus der Sicht des nicht ganz so intellektuellen Richard erzählt ist, danke an die Autorin dafür 😉

Wie oben erwähnt, ist diese Art von Erzählung im Grunde genau mein Ding. Fast kammerspielartig dreht sich alles um die vielschichtigen Beziehungen zwischen den handelnden Personen. Aber leider konnte ich zu keiner einzigen von ihnen einen Draht bekommen. Und auch ihre inneren Kämpfe konnte ich selten nachvollziehen, will heißen, sie ließen mich weitestgehend unberührt.

Ist nun „Die geheime Geschichte“ eigentlich ein Klassiker? Doch, ich würde das durchaus bejahen. Ich definiere einen Klassiker u.a. als ein starkes Stück Literatur mit Tiefe und einer gewissen Zeitlosigkeit. Und das ist „Die geheime Geschichte“ ganz sicher.

Alles andere ist Geschmackssache 🙂

Der Sammelbeitrag mit allen Beiträgen ist hier zu finden


Ich danke euch, zeilenende und wortgeflumselkritzelkram, für die Mühe, die ihr euch wieder gemacht habt, uns zu Buchdates zusammen zu bringen.

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