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Achtung Achtung, Trommelwirbel: Die Aktion „Buchdate“, initiiert von wortgeflumselkritzelkram und zeilenende, geht in eine neue Runde. Diesmal unter dem Motto „Klassiker“. Bevor ich mich entschlossen habe, dabei mitzumachen, musste ich ernsthaft eine Liste machen mit den Klassikern (nach meiner Definition), die ich nicht nur gelesen habe, sondern an die ich mich auch noch gut genug erinnern kann, um sie empfehlen zu können. Versteht ihr, was ich meine? Erst neulich las ich einen Roman wieder, der mich vor etwa 20 Jahren total fasziniert hatte. Erneut gelesen, war er immer noch spannend, amüsant und kurzweilig, aber die grosse Begeisterung von vor 20 Jahren konnte ich nicht mehr nachvollziehen. Womöglich würde ich also einen „Klassiker“ empfehlen, den ich, läse ich ihn heute, blöd finden würde. Das wollte ich vermeiden.

Lange Rede, kurzer Sinn, ich machte meine Liste und sie fiel gar nicht mal so kurz aus, also meldete ich meine Teilnahme an.

Mein Buchdate wurde ScreenQueen (klasse Name übrigens, gefällt mir 😉 ).

Die Informationen, die sie für mich hat, sind z.B., dass sie am liebsten SciFi und Fantasy liest. Hm, damit könnte ich zwar dienen, ich könnte „Schöne Neue Welt“ oder „1984“ empfehlen. Aber ich wette, die hat sie, wie wir alle, schon in der Schule gelesen. Daraus wird also nichts.

Fantasy allerdings ist dabei, tatsächlich gehört das sogar zu meinen Lieblingsbüchern, obwohl ich eigentlich kein Fantasy Fan bin.

Ausserdem mag sie keine schnulzigen Liebesromane. Also empfehle ich lieber nicht Hedwig Courths-Mahler, könnte ich auch nicht, habe nichts von ihr gelesen.

Aber eine Liebesgeschichte ist trotzdem dabei, liebe ScreenQueen, sie ist aber überhaupt nicht schnulzig, ehrlich nicht 😉

Und endlich kommen wir zum Eigentlichen, nämlich meinen Empfehlungen für dich:

„Kleiner Mann, was nun“ von Hans Fallada

Der Roman erschien 1932 bei Rowohlt, offenbar gekürzt (das habe ich erst im Laufe der Recherchen zu diesem Beitrag erfahren), die Komplettfassung erschien erst 2016 im Aufbau Verlag.

Er spielt in der Weimarer Republik während der Wirtschaftskrise.

Johannes Pinneberg und sein Lämmchen (eigentlich heisst sie Emma Mörschel) sind frisch verliebt und noch frischer schwanger. Sie heiraten, nicht weil sie müssen, obwohl sie natürlich müssen, es ist nicht die Zeit, in der man uneheliche Kinder gut aufziehen kann. Sie tun es weil sie sich lieben und sich eine Zukunft miteinander und mit Kind trotz der widrigen Umstände der Zeit vorstellen können. Sie gehen nach Berlin und kommen zunächst bei Pinnebergs Mutter unter, was sich aber auf Dauer als untragbar erweist, zumal die Mutter-Sohn Beziehung schwierig ist. Immerhin verschafft der zwielichtige Lebensgefährte der Mutter Pinneberg einen Job als Verkäufer in einem Herren Bekleidungsgeschäft. Lämmchen schafft es, eine bezahlbare Wohnung zu finden, und eigentlich könnte nun alles gut werden. Warum es das nicht tut, aber vielleicht doch, beschreibt Fallada, wie ich finde, sehr eindringlich, mit Wärme und nicht allzuviel politisch erhobenem Zeigefinger.

Ich habe diesen Roman in der 9. oder 10. Klasse im Deutschunterricht gelesen, also ist er wohl eine Art Klassiker. Ich lese ihn seitdem – bis heute – immer mal wieder.

„Die Nebel von Avalon“ – von Marion Zimmer Bradley

Das muss ich empfehlen, obwohl ich fast wetten kann, du hast es schon gelesen, liebe ScreenQueen 😉 Es ist auf  jeden Fall ein Klassiker unter den gefühlt Millionen Variationen der Artus Sage.

In dieser Version wird die mystische Rolle der Insel Avalon mit ihren Priesterinnen in den Vordergrund gestellt. Es wird davon ausgegangen, dass einst Frauen die Geschicke der Menschen lenkten, oder jedenfalls entscheidend beeinflussten. Avalon ist allerdings dem Untergang geweiht, da das männlich dominierte Christentum keine Göttinnen neben sich duldet.

So ist Morgaine, Priesterin von Avalon und Artus‘ Halbschwester, teilweise als Ich-Erzählerin, die zentrale Figur dieses Romans.  Die Erzählperspektiven wechseln aber, so dass wir auch Einblicke in die Gedanken- und Gefühlswelt der anderen Protagonist*innen erhalten. Unter anderem wird die Dreiecksbeziehung zwischen Artus, Königin Gwenhyfar und dem schönen Ritter Lancelot sehr ausführlich beschrieben. Wobei es sich hier wohl eher um eine Viererbeziehung handelt, denn Morgaine entbrennt ebenfalls in heftiger Liebe zu Lancelot und hat zudem einen Sohn, Mordred, mit ihrem eigenen Bruder. Was sich hier wie eine billige SAT 1 Produktion liest, ist nun einmal in der Mythologie der Artus Sage so überliefert und in den „Nebeln von Avalon“ sehr facettenreich dargestellt.

Ich persönlich halte die Balance zwischen Beziehungsdramen, Fantasy, Esoterik und Geschichte in diesem Roman für gelungen, die Erzählweise ist sehr detailreich, aber nie langatmig.

Abschliessend lasse ich es mir nicht nehmen, die TV Adaption des Romans zu erwähnen, die meiner Meinung nach sensationell gut gelungen ist. (Wer anders als Anjelica Huston könnte die Herrin von Avalon verkörpern?)

„Rheinsberg“ von Kurt Tucholsky

Hier kommt nun meine Liebesgeschichtenklassikerempfehlung. Dabei ist es kein Roman, es ist „ein Bilderbuch für Verliebte“.

Claire und Wolfgang (Wölfchen) aus Berlin machen einen Wochenendausflug nach Rheinsberg, Es ist ungefähr 1912 (jedenfalls erschien das Buch in dem Jahr), was sie tun, gehört sich nicht, denn sie sind nicht verheiratet, nicht einmal verlobt. Sie besichtigen Schloss Rheinsberg, machen eine Bootstour….. und das war’s eigentlich auch schon. Nein, das war es nicht. Sie, besonders Claire, kommentieren diesen eher unspektakulären kleinen Ausflug in einer so erfrischenden (wort)witzigen Art und Weise, dass man als Leser – sofern einem Tucholskys Stil gefällt – die ganze Zeit ein Lächeln auf den Lippen hat.

Man kann diesen Klassiker (das ist er definitiv) auch trocken analysieren, das überlasse ich mal Wikipedia

Nun hoffe ich sehr, dass etwas für dich dabei ist, liebe ScreenQueen. Das „Empfehlen“ hat jedenfalls wieder viel Spass gemacht. Danke an dieser Stelle noch einmal an wortgeflumselkritzelkram und zeilenende, für die Mühe, die ihr euch wieder gemacht habt
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