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Heute gehe ich unter die Buchblogger und freue mich, an dieser schönen Aktion teilzunehmen. Sie ist eine Erfindung von wortgeflumselkritzelkram und zeilenende, vielen Dank dafür 🙂

Es geht um Buchempfehlungen. Man schreibt welche und erhält welche. Dass ich welche erhalten würde, war meine Motivation, mitzumachen, ich greife nämlich im Moment leider viel zu oft ins Klo, wenn ich neue Bücher entdecken möchte. (daher sind meine Buchempfehlungen auch nicht aktuell, sorry 😉 ) Dass ich aber auch Empfehlungen verfassen muss, habe ich mir wohl nicht richtig überlegt – ich hab sowas noch nie gemacht. Aber es kann ja keine Hexenkunst sein. Ich stelle mir einfach vor, ich säße bei einer Tasse Tee mit meinem Buchdate und schwärme ihr von Büchern vor, die sie unbedingt lesen muß.

Mein Buchdate ist witzigerweise eine der Initiatorinnen der Aktion. wortgeflumselkritzelkram hat im Vorfeld verlauten lassern, was sie gerne liest, daran habe ich mich sogar teilweise orientiert 😉

Hier nun meine drei Empfehlungen:

„Wenn das der Führer sähe“ von Jacqueline Roussety. Ein Doku Roman

Ende der Siebziger geriet Baden-Württembergs Ministerpräsident Hans Karl Filbinger in die Kritik aufgrund seiner Nazi Vergangenheit. Die Dinge, die während dieser Zeit ans Tageslicht kamen, führten dazu, dass er zurücktreten mußte. Zusammen mit Filbinger geriet damals ein junger Marinesoldat in die Schlagzeilen, diesen hatte Filbinger als ehemaliger Nazi Richter noch kurz vor Kriegsende zum Tode verurteilt.

Jacqueline Roussety erzählt in ihrem Buch die Geschichte dieses jungen Mannes und seiner Familie. Es ist gleichzeitig die Geschichte vieler Familien der damaligen Zeit. In Romanform, erzählt in Ich Form aus Sicht der Schwester, erfahren wir, wie die Familien damals fast unmerklich in den Sog von Hitlers perfider Erziehungspolitik gerieten.

Ich war von diesem Buch vor allem deshalb so begeistert, weil es mir – endlich! – eine Ahnung davon vermittelte, wie all das überhaupt hatte passieren können. Ich interessiere mich seit Kindertagen für das Thema Drittes Reich und habe dementsprechend schon viele Bücher darüber gelesen. Aber immer blieb die Frage, die wir uns doch alle immer stellen: Warum habt ihr damals mitgemacht. „Wenn das der Führer sähe“ beantwortet diese Frage natürlich auch nicht restlos. Aber ich habe an vielen Stellen unwillkürlich genickt und gedacht „Ja, das kann ich mir vorstellen“. Es war auf einmal nachvollziehbar.

Das Buch ist zudem wirklich unterhaltsam, eine Familiengeschichte eben. Wenn auch die Sprache manchmal etwas zu blumig daher kommt. Die historischen Hintergründe sind nach meiner Einschätzung überaus fundiert herausgearbeitet. Und nicht zuletzt habe ich entgegen meiner anfänglichen Befürchtungen keinen erhobenen Zeigefinger entdecken können.

Und schon kommmen wir zu meiner zweiten Empfehlung. Aus der Kategorie Fantasy, Unterkategorie schräg. Sehr schräg 😉

„Der Fall Jane Eyre“ von Jasper Fforde

Ich kann nicht umhin, zunächst zu erzählen, wie ich zu diesem Buch gekommen bin, das war sehr kurios. Ich nahm es vor vielen Jahren quasi im Vorbeigehen in meiner Lieblingsbuchhandlung mit. Nachdem ich etwa 30 Seiten gelesen hatte, dachte ich „was für ein Quatsch“ und verkaufte es bei ebay. Wieder gingen Jahre ins Land. Da stiess ich eines Tages wieder auf „Der Fall Jane Eyre“, wie das kam, weiss ich nicht mehr. Warum ich es mir noch einmal gekauft habe, kann ich leider auch nicht mehr sagen. Nur, dass es mir auf einmal gefiel! Und heute wirklich ein Lieblingsbuch ist, zusammen mit den weiteren, die zu der Reihe um die Literaturagentin Thursday Next gehören.

Aber jetzt zum Eigentlichen, nämlich dem Buch:

Die Geschichte spielt in einer Art Parralleluniversum im England des Jahres 1985. Die Hauptfigur, Thursday Next, arbeitet als Literaturagentin, wie wir schon wissen. In jener Welt kann es passieren, dass Kriminelle Romanhandlungen manipulieren, indem sie beispielsweise die Hauptfigur daraus entführen. Thursday Next und ihre Kollegen sind also eine Art Buchpolizei. Ohne sie wäre der Welt-Literaturbestand in Gefahr. Aktuell muss sich Thursday Next um die Entführung von Jane Eyre aus „Jane Eyre“ kümmern. Unterstützt wird sie dabei von ihrem Vater. Der kann durch die Zeit reisen, wobei sich ständig die Geschichte ändert. Das lässt sich leider nicht verhindern, weshalb alles, was jemals passiert ist oder passieren wird, relativ ist.(Sind die Beatles seit 1970 getrennt? Nun, nicht immer) Zur Familie Next gehört ausserdem ein Onkel, der eine Maschine erfunden hat, mit der man in die Bücher reisen kann und Pckwick, ein in Eigenarbeit geklonter Dodo. Haustiere selber herstellen ist in jener Welt ein beliebter Zeitvertreib.

Diese Geschichte ist so absurd, und dabei so intelligent und in sich logisch geschrieben, ich verstehe bis heute nicht, warum sie mir beim ersten Lesen noch so gar nicht gefiel. Aber im Grunde passt das auch wieder. Jasper Fforde und seine Thursday Next folgen eben in vielerlei Hinsicht anderen Regeln 🙂

Und nun zu guter Letzt, ein leiser Psychothriller

„Die Sünderin“ von Petra Hammesfahr

Am Anfang geschieht ein Mord scheinbar aus heiterem Himmel. Eine junge Frau ersticht einen ihr völlig unbekannten jungen Mann mit einem Obstmesser. Sie schweigt zu ihrem Motiv. Der Ermittler kann sich damit nicht zufrieden geben. Er will wissen, was dahinter steckt, und so erfahren wir die Lebensgeschichte der jungen Frau. Es geht um eine lieblose Mutter, einen schwächlichen Vater, eine schwer kranke Schwester, um Missbrauch, um Vergewaltigung.

Wie meist bei Petra Hammefahr bekommt der Leser Einblick in die – in diesem Roman besonders morbiden – Abgründe hinter bürgerlichen Fassaden.

Ich habe gerade selbst mal in Rezensionen zu diesem Buch gestöbert. Sie reichen von „totaler Mist“ bis zu „genial, mein Lieblingsbuch dieser Autorin“ Mich hat es in seiner Düsternis absolut fasziniert. Petra Hammesfahr war mal eine meiner Lieblings-Krimischreiberinnen, aber leider hat sie in den letzten Jahren stark nachgelassen. „Die Sünderin“ ist von 2000, und für mich eins ihrer besten Bücher

 

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