Ihr denkt jetzt sicher, nun kommt eine dieser Lobeshymnen nach dem Motto: „ich wollte immer wie Pippi Langstrumpf sein. Sie ist die ultimative Verkörperung von Stärke, Freiheit, Selbstbewusstsein. Wir Frauen hätten uns nie befreit ohne Pippi“
Oder irgendwie so.
Weit gefehlt.
Ich identifizierte mich, wenn überhaupt, mit Annika, die ein normales, weil unsicheres, kleines Mädchen ist und die tapfer damit klar kommt.

Auch sonst waren mir oft die – gerne auch mal unsympathischen – Anti Helden der Geschichten viel näher.

Bspw  Röschen, die beste Freundin von Bettina, einer Kinderbuch Heldin, nach der meine Mutter mich benannt hat. (Bin allerdings froh, dass meine Mutter wohl nicht so auf Anti Helden stand. Ich mag zwar meinen Vornamen nicht, aber Röschen zu heissen wäre auch blöd ;)). Bettina war immer irgendwie ungeduldig und gemein zu Röschen. Ja, gut, Röschen war etwas naiv und einfältig. Aber mir gefiel trotzdem nicht, wie Bettina sie behandelte.

Oder die arme Lehrerin, die von Pippi Langstrumpf in den Wahnsinn getrieben wird. Also mir tat die leid. Sie machte doch nur ihren Job.
Unwillkürlich habe ich mich mit solchen Figuren immer viel stärker solidarisiert.
Schon als Kind war mir klar, Pippi Langstrumpf kann bzw will ich mir nicht zum Vorbild nehmen.

Klar, sie ist unabhängig und keiner kann ihr was. Ist aber auch keine Kunst, wenn man übermenschliche Kräfte und eine Kiste voll Kohle zur Verfügung hat.

Da es sowas aber in Wirklichkeit nicht gibt, hatte ich für Pippi keinerlei Bewunderung übrig
Ich konnte schon als Kind keinen Sinn darin sehen, mir die Welt zu machen, wie sie mir gefällt.

Ich glaube, ich wollte schon immer lieber mit der Welt, wie sie nunmal ist, klar kommen.

 

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